Familie aus Oberspier betreibt seit über 200 Jahren Landwirtschaft

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Familie aus Oberspier betreibt seit über 200 Jahren Landwirtschaft TA 22.07.2018, 04:23

Oberspier Hofberichterstattung: Familie Teichmüller führt alte Tradition an ihrem Hof in Oberspier erfolgreich fort.

Die nächste Generation steht bereit. Während Silvana und Torsten Teichmüller das Erbe von Hubertus Teichmüller (2. von links) erfolgreich fortführen, steht Sohn Bruno nicht nur bereit, der Achtjährige hilft auf dem Hof in Oberspier schon mit, wo er nur kann. Foto: Henning Most (5)

    Im Sondershäuser Ortsteil Oberspier lebt Familie Teichmüller nicht nur auf einem Bauernhof, sie betreibt hier seit Generationen auch eine Landwirtschaft. „An diesem Standort gibt es seit über 200 Jahren Landwirtschaft“, behauptet der 76-jährige Hubertus Teichmüller. Er wohnt heute mit Sohn Torsten (48), Schwiegertochter Silvana (35) und Enkelsohn Bruno (8) auf dem Grundstück. Der Senior war es auch, der den Hof nach der Wende wieder ganz auf Landwirtschaft umstellte. Adolf Teichmüller betrieb in der Nachkriegszeit auf dem Hof eine Ferkelzucht. Im Jahr 1957 brannten die Wirtschaftsgebäude ab – ein Infrarotstrahler hatte den Brand im Stall ausgelöst. Adolf Teichmüller gelang der Wiederaufbau, dann folgte 1960 der Anschluss seines Hofes an die örtliche Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Bis die LPG 1970 einen neuen Stall errichtete, standen bei den Teichmüllers immerhin noch 32 Milchkühe auf dem Hof.

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Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich den Werberichtlinien zu. Anbaufläche von einem auf 14 Hektar vergrößert Hubertus Teichmüller wurde Agrar-Ingenieur, arbeitete aber später als Lehrer für den damals noch üblichen „Unterrichtstag in der Produktion“. Die Landwirtschaft war nur noch ein Hobby, der Lehrer züchtete in seiner Freizeit Orchideen. „Die Blumen waren zu DDR-Zeiten überall beliebt und wurden gern gekauft“, erinnert sich der 76-Jährige. Nach der politischen Wende startete Hubertus Teichmüller mit einem Hektar Landbesitz wieder neu und begann, wie einst sein Vater, Schweine zu züchten. Inzwischen hat sich die landwirtschaftliche Anbaufläche auf 14 Hektar vergrößert. Torsten Teichmüller übernahm den Landwirtschaftsbetrieb vom Vater. Als gelernter Facharbeiter für Holztechnik arbeitete Torsten Teichmüller als Zimmermann und Dachdecker auf dem Bau, bevor er sich 2005 als Brennholzhändler selbstständig machte. Mit Brennholz beliefert er heute noch Kunden, Vorrang hat in der Erntezeit jedoch die Landwirtschaft. Ehefrau Silvana, sie ist im Hauptberuf Einzelhandelsverkäuferin, arbeitet im Familienbetrieb genauso mit wie Sohnemann Bruno. Wenn der Achtjährige nicht mit Freunden Fußball spielt, dann begleitet er gern den Vater auf dem Traktor. „Mit dem Kleintraktor fahre ich auch aufs Feld“, so seine stolze Mutti. Im Landwirtschaftsbetrieb Teichmüller werden heute in konventioneller Produktionstechnik vor allem Gerste, Weizen, Raps und Kartoffeln angebaut – an Tieren streunen nur noch drei Katzen über den Hof. „Dieses Jahr wollen wir erstmals Braugerste ernten“, blickt Torsten Teichmüller voraus. Der Maschinenpark ist nicht der modernste, dafür war er für den jungen Landwirt bezahlbar. „Der Traktor ist Baujahr 1996, den habe ich per Achse aus dem Münsterland geholt“, erinnert sich der 48-Jährige. Nebenan steht ein roter Mähdrescher mit offener Kabine. „Der stammt aus Bayern und hatte gar keine Kabine, die habe ich selber gebaut.“ Torsten Teichmüller sucht in Kleinanzeigen nach Ersatzteilen und repariert seine Maschinen selber – ebenso die Strohpresse oder den Heuwender. Während das Gros an Getreide an einen großen Zwischenhändler geht, setzt der Landwirt auch auf die Direktvermarktung, besonders für Kleintierzüchter. Dass seine Technik kleine Strohballen in Pkw-Kofferraumgröße pressen kann, ist dabei ein Vorteil. „Außerdem habe ich noch die alte Schrotmühle vom Opa stehen, damit können wir heute noch Körner mahlen“, sagt Torsten Teichmüller und lacht. Den Wechsel in die Landwirtschaft bereut er keinen Moment. „Ich liebe die Arbeit an der frischen Luft.“ Zukünftig möchte er die Landwirtschaft gern ausbauen, seine Anbaufläche vergrößern und die Direktvermarktung ankurbeln. Auch der Brennholzhandel soll fortgeführt werden. Pro Jahr verarbeitet Torsten Teichmüller etwa 300 Festmeter Holz aus dem Stadtwald und der Hainleite. „Einzig die Zeit fehlt manchmal dafür“, sagt er. Kein Wunder, fährt er doch in der Saison mit seinen Maschinen als Lohnarbeiter auch auf Felder anderer Bauern und im Winter erledigt er damit sogar den Winterdienst in Oberspier. Ihren Getränkehandel mit Gaststätte hat die Familie inzwischen nur noch für Familienfeiern geöffnet. Um eine Nachfolge auf dem Hof müssen sich Torsten und Silvana Teichmüller jedenfalls keine Sorgen machen. „Ich fahre doch gern Traktor“, ruft ihr Sohn Bruno.

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